BUNDjugend  

AdventsKleidertausch in Dresden

Kleidertauschpartys und Schnippeldisko – Wer braucht denn sowas?

Sicherlich ist dir auch schon aufgefallen, dass bei den verschiedenen BUNDjugend-Gruppen auf Facebook oder auf den Webseiten der Landesverbände sehr viele Veranstaltungen mit dem Titel „Kleidertauschparty oder Schnippeldisko“ auftauchen. Auch in unserem Landesverband wurde bei der BUNDjugend allein im letzten halben Jahr drei Mal getauscht und geschnippelt. Wieso sind gerade diese Formate so beliebt?, habe ich mich gefragt. Bringt das denn überhaupt was?

Ist doch alles Mist

Jede*r Einzelne kann einen Beitrag zur Lösung globaler Probleme beisteuern. Zusammen schaffen wir es! Mit diesem oder ähnlichen Behauptungen wird von NGOs und Regierungen gleichermaßen an die potenziellen Mitstreiter*innen appelliert, sich doch in ihrer Sache zu engagieren. Und diese lassen sich immer wieder gerne überzeugen, für den guten Zweck einzustehen und die Herausforderungen der Zeit anzugehen. Im Natur- und Umweltschutz wird an dieser Stelle immer wieder das richtige Konsumverhalten zur Königsdisziplin erklärt. Nach dem Motto: Tue dies so und es wird besser werden – „Yes we can!“ Auf die Realität wird man mit solchen Slogans natürlich nur unzureichend vorbereitet. In der Praxis gibt es Schwierigkeiten, Widerstände und Rückschläge zu überwinden. Jemanden, der diese Aspekte nicht sehen will oder kann, trifft ein ausbleibender Erfolg doppelt schwer. Anstelle der versprochenen Weltverbesserung und einem stärkenden Erlebnis der eigenen Wirksamkeit stellt sich schnell ein Gefühlt von Verzweiflung oder Ohnmacht ein.

„Obwohl ich Energie spare und kein Fleisch mehr esse, schreitet die Umweltzerstörung fort, gibt es einen weltweit steigenden Fleischkonsum. Obwohl ich auf das Fastfashion-Shirt verzichte, wird von den Kleiderfabrikanten in Bangladesch noch lange kein fairer Lohn gezahlt und für gute Gesundheitsbedingungen für die Arbeiter*innen gesorgt.“

Genauer hinsehen!

Dem verantwortungsvollen Konsumenten wird klar: Die Zusammenhänge in einer globalisierten Welt sind für unterkomplexe Lösungsansätze dieser Art zu vielschichtig, die menschliche Psyche zu widersprüchlich. Wir haben als Einzelner mit unserem Alltagshandeln, wenn überhaupt, einen Einfluss auf unser unmittelbares Umfeld und wenn wir mit unserem Konsumverhalten versuchen, die Ungerechtigkeiten auf der anderen Seite der Welt zu beseitigen, hat das erstmal einen symbolischen Wert.

Bei der Schnippeldisko ist es ähnlich. Durch Foodsharing oder Containern werden Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahrt und stattdessen gemeinschaftlich gekocht und verarbeitet. Deswegen werden aber weder Firmen wie Monsanto den Rückzug antreten, noch die Lebensmittelüberproduktion beendet oder der Pestizideinsatz zurückgehen. Doch wenn wir durch unser Alltagshandeln als Konsumenten, durch Tauschen und Kochen die Welt nicht retten werden, was ist dann der Grund für den Erfolg dieser Veranstaltungen?

Da gibt es zum einen natürlich den praktischen Aspekt. Ich komme günstig oder sogar ohne etwas dafür zu bezahlen oder einzutauschen an ein leckeres Essen und eine „neue“ Hose. Zusätzlich kann ich ein paar Stunden in quirlig-wohliger Atmosphäre verbringen. Außerdem setze ich ein Zeichen für einen nachhaltigeren Lebensstil und erprobe eine Alternative zum sonst allgegenwärtigen Konsumwahn. Aber das wichtigste Element dabei ist, dass ich das alles gemeinschaftlich tue. Durch das Zusammenkommen von Leuten mit der Absicht, sich zu engagieren und alternative Lebensweisen zu erproben, ergeben sich interessante Gespräche. Die Schnippelparty wird zum Netzwerktreffen, der Kleidertausch zur Informationsbörse.

Das Wesentliche bei diesen Veranstaltungen ist der Punkt, dass dort geteilt wird. Nicht nur Essen und Kleidung, Rezepte und Neuigkeiten, sondern auch das Gefühlt der Ohnmacht, das viele junge Leute bewusst oder unbewusst bedrückt, die sich für Alternativen und eine bessere Welt einsetzen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt man. Und so ist es auch hier, die scheinbare Hilflosigkeit wird kleiner und löst sich in der Situation des gemeinsamen Handelns auf. Mit der Zahl der Teilnehmer steigt die Gewissheit, dass man eben doch nicht alleine ist. Was an seiner Stelle wachsen kann, ist der Glaube, dass wir, wenn wir uns gemeinsam, klug und ausdauernd für etwas einsetzen, doch etwas verändern können.